Einelzimmerquote in Pflegeheimen


Die Anzahl der Pflegenden steigt in Deutschland kontinuierlich und dieser Trend wird weiter anhalten. In den Jahren 2013 und 2014 wurden in etwa ein Drittel der Pflegebedürftigen stationär in einem Pflegeheim betreut. Prognosen sagen eine Zunahme der Zahl der pflegebedürftigen Menschen voraus. Im Jahr 2030 werden in Deutschland circa 1,1 Millionen Menschen in Pflegeheimen untergebracht werden.

Bauliche Vorgaben


Bis 2006 wurden die baulichen Anforderungen an Pflegeheime bundeseinheitlich durch die Heimmindestbauverordnung geregelt. Heute finden sich die Vorgaben in den einzelnen Landesverordnungen. Unter anderem hat der Großteil der Bundesländer mit ihrer jeweiligen Verordnung den Pflegeheimen konkrete Vorgaben zur Einhaltung von Einzelzimmerquoten, aber auch von neu geltenden Mindestflächen und anderen Details gemacht. Während in einigen Bundesländern Vorgaben schon umgesetzt wurden, wird beispielsweise in Baden-Württemberg in der Landesheimbauverordnung ab 01.09.2019 die ausschließliche Unterbringung von zu pflegenden Personen in Einzelzimmern mit mindestens 14 m² (16 m² mit Vorraum) und einer lichten Raumbreite von mindestens 3,2 m gefordert. Für neu gebaute Pflegeheime muss für jedes Zimmer ein Sanitärraum, für Bestandsbauten jeweils ein Sanitärraum für zwei Zimmer eingerichtet werden. Gleichzeitig sollen pro Einrichtung maximal 100 Personen untergebracht werden. Eine Fristverlängerung ist in Sonderfällen möglich. Insbesondere soll durch die baulichen Veränderungen eine geschützte Privat- und Intimsphäre für die Bewohner sichergestellt und eine Anpassung der Umgebung an die veränderten gesellschaftlichen Anforderungen erzielt werden.

Beispiel


Anhand des Beispiels eines exemplarischen Pflegeheims in Baden-Württemberg mit den folgenden Eingangsparametern möchten wir die Problematik exemplarisch aufzeigen.

Um den gesetzlichen Vorgaben entsprechen zu können, müsste das Pflegeheim 100 Bewohner in Einzelzimmern mit jeweils mindestens 14 m² unterbringen.

Daraus ergeben sich letztlich folgende Optionen für das exemplarische Pflegeheim:

1) Unterbringung von weniger Bewohnern

2) Flächenerweiterung

Lösungsansätze


Beide Optionen gehen mit umfangreichen Baumaßnahmen einher, die im laufenden Betrieb vonstattengehen müssen. Dies erfordert einen hohen Koordinationsaufwand und wirft die Frage auf, wo und wie die Bewohner in der Zwischenzeit untergebracht und betreut werden können. Ein Ersatzneubau am selben oder an einem anderen Standort wäre mit einem aufwendigen Prozess der Grundstückssuche, Planung, Bauausführung und anschließendem Umzug verbunden.


Entscheidet man sich, die Zahl der Betreuungsplätze zu reduzieren, ist nicht nur mit Umbaumaßnahmen, sondern auch mit Umstrukturierungen des kompletten Betriebsablaufs zu rechnen. Gebäudestrukturen lassen sich nicht ohne weiteres skalieren, Fenstereinteilungen, Achsmaße und die Lage der Installationsschächte sind starke Barrieren, die die Bilanz der Beispielrechnung weiter verschlechtern. Im ungünstigsten Fall und unter Vermeidung von umfassenden Baumaßnahmen könnten die bisherigen Doppelzimmer mit einem Bewohner belegt werden und je zwei Einzelzimmer werden zusammengelegt, um den Quadratmetervorgaben gerecht zu werden. In diesem Fall könnten im bisherigen 100-Plätze-Haus nur noch 50 Plätze vergeben werden.


Umfassende Baumaßnahmen an älteren Gebäuden können dazu führen, dass andere gesetzliche Regelungen wie beispielsweise Brandschutzthemen zum Tragen kommen. Darüber hinaus stellt sich die Frage, wie die unterschiedlichen Optionen finanziert werden können.


Unterlässt der Pflegeheimbetreiber die Umsetzung der Vorgaben, wird dies als Ordnungswidrigkeit geahndet. Ausnahmen von der genannten Regelung gelten für Heime mit weniger als 15 Betreuungsplätzen in Form einer selbstständig betriebenen Wohngemeinschaft, die nicht an einen Heimbereich angeschlossen ist. Außerdem sind Wohnbereiche für immobile Schwerstpflegebedürfige und Heime mit speziellen Konzepten für behinderte zu betreuende Menschen ausgenommen.

EY Real Estate


Die letztendliche Entscheidung für eine der dargestellten Vorgehensweisen setzt einen intensiven Abwägungsprozess voraus, der die Ausgangslage des jeweiligen Hauses und Betreibers berücksichtigen muss. Daraus muss eine individuelle Strategie entwickelt werden. Neben einer Bestands- und Bedarfsanalyse sind Machbarkeitsstudien Basisbausteine einer solchen Strategie. Übergangsweise kann auch das Erwirken von Ausnahmeregelungen helfen, Bußgelder bis zur Umsetzung der Transformation zu vermeiden. Bei allen baulichen Fragestellungen sind auch die wirtschaftlichen, steuerlichen und rechtlichen Anpassungen mit zu betrachten – das multidisziplinäre EY-Team liefert hierzu Lösungen aus einer Hand.

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