Erich Lehner

Managing Partner Markets EY Österreich

Dienstleister — Job- und Wirtschaftsmotor mit digitalem Vorsprung


Goldene Zeiten für Österreichs Dienstleister? Die Auftragsbücher sind so gut gefüllt wie nie, die Aussichten sind rosig, die Investitions- und Personalpläne entsprechend offensiv. Auch bei der Integration von digitalen Technologien sind Dienstleister die führende Branche. Doch wo viel Licht ist, gibt es auch Schatten: Der Fachkräftemangel und zunehmender Wettbewerb bereiten Österreichs Dienstleistern Kopfzerbrechen.

Die Geschäfte für Österreichs Dienstleister laufen so gut wie seit Jahren nicht. 71 Prozent der Unternehmen sind derzeit uneingeschränkt zufrieden mit der Geschäftslage – das ist der höchste Wert seit dem Jahr 2008, als die Studie (EY Mittelstandsbarometer) erstmals durchgeführt wurde. Gerade einmal 2,7 Prozent der Unternehmer klagen über eine eher schlechte Geschäftsentwicklung. Diesen Befund liefert eine EY-Umfrage unter 150 Verantwortlichen von Dienstleistungsunternehmen in Österreich.

Auch die Prognose für die Zukunft ist rosig, der Ausblick ist so optimistisch wie seit Jahren nicht mehr: Mehr als vier von zehn Befragten erwarten eine positive Entwicklung der Geschäftslage, nicht einmal drei Prozent erwarten eine Verschlechterung. Diese vielversprechende Ausgangslage spiegelt sich auch in den Investitions- und Personalplänen der Dienstleister wider.

Dienstleister als Wirtschafts- und Jobmotor Österreichs

Bemerkenswert hoch ist auch die Investitionsbereitschaft der heimischen Dienstleistungsunternehmen: Jedes vierte möchte seine Investitionen erhöhen. Nicht nur die Investitionsdynamik, sondern auch das Beschäftigungswachstum steigt auf ein Zehnjahreshoch: Mehr als jedes dritte Unternehmen (36 %) plant, die Zahl der Mitarbeiter zu erhöhen. Die Kehrseite der Medaille: Viele Dienstleistungsunternehmen finden derzeit nicht genügend qualifizierte Mitarbeiter – der Fachkräftemangel wird ein immer größeres Problem.

Fachkräftemangel ist größtes Risiko für Dienstleistungsunternehmen

Bereits heute ist der Fachkräftemangel nach Angaben der Unternehmen das größte Risiko für die eigene Geschäftsentwicklung: Die Hälfte der österreichischen Dienstleister bezeichnet den Fachkräftemangel als große Gefahr. Die Wirtschaft brummt, die Konsumbereitschaft ist groß und die österreichischen Unternehmen haben volle Auftragsbücher.

Allerdings setzt die Situation auf dem Arbeitsmarkt dem Wachstum Grenzen. Regional herrscht in Österreich teilweise Vollbeschäftigung, gut ausgebildete Fachkräfte können sich ihren Arbeitgeber längst aussuchen. Gerade kleinere Dienstleister, die mit bekannteren Unternehmen um Arbeitskräfte konkurrieren, können dadurch Stellen oft nur mühsam oder gar nicht besetzen.

Die zweite große Herausforderung neben dem Fachkräftemangel ist der zunehmende Wettbewerb, zum Beispiel durch neue Konkurrenz aus anderen Branchen oder durch Digital Champions, der momentan ungefähr genauso vielen Dienstleistern Kopfzerbrechen bereitet. Das Dilemma für Dienstleister: Um sich für neuen Wettbewerb zu rüsten, müssen sie stark in die Digitalisierung investieren – bei jedem zehnten verhindert aber der Fachkräftemangel genau diese notwendigen Investitionen.

Dienstleister sind digitale Vorreiter

Heimische Dienstleister haben jedenfalls schon ein gutes Stück auf ihrem Weg in die digitale Zukunft zurückgelegt. In keiner anderen Branche Österreichs spielen digitale Technologien schon so eine große Rolle. Bei fast zwei Dritteln (62 %) spielen digitale Technologien bereits eine mittelgroße bis sehr große Rolle für das eigene Geschäftsmodell, bei fast jedem Dritten (29 %) sind sie sogar ein integraler Bestandteil. Dementsprechend sieht eine klare Mehrheit von 60 Prozent der österreichischen Dienstleister den digitalen Wandel als Chance, nur jeder zehnte ortet darin „eher“ eine Bedrohung. Das zeigt: Österreichs Dienstleistungsunternehmen haben zum großen Teil die Herausforderung verstanden und stehen der Digitalisierung offen gegenüber. Zahlreiche Unternehmen haben ihren Vertrieb bereits erfolgreich modernisiert. Sie passen sich flexibel an neue Herausforderungen an und integrieren digitale Technologien.

Digitale Technologien verstärken Kundenbeziehungen

Speziell aus dem Verkauf sind digitale Technologien aus Sicht der heimischen Dienstleister fast gar nicht mehr wegzudenken. Vor allem die Kundenbeziehungen werden immer stärker digital organisiert: 87 Prozent der heimischen Dienstleister nutzen digitale Technologien dafür. Mobile Endgeräte wie Smartphones oder Tablets werden in 65 Prozent der Unternehmen eingesetzt. 49 Prozent wickeln Verkauf und Bezahlung online ab. Bei mehr als jedem Vierten (27 %) sind die Angebote bereits jetzt ganz und zu einem großen Teil digital.

Was Dienstleister wollen: Ausbau von Infrastruktur und Bildung

Um den technologischen Wandel voranzutreiben, braucht es aus Sicht der Dienstleister vor allem zwei Dinge: erstens den Ausbau der digitalen Infrastruktur, den knapp 35 Prozent der heimischen Dienstleister fordern, und zweitens einen stärkeren Fokus auf die Ausbildung von Fachkräften wie IT-Experten oder Softwareentwickler, die in Österreich immer schwieriger zu finden sind. 61 Prozent fordern eine Bildungsreform und wünschen sich, das hierzulande stärker in die Technikausbildung investiert und schon an den Schulen ein positives Klima für Fachberufe gefördert wird.

Kontakt:

Erich Lehner

Managing Partner Markets EY Österreich

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Wie wird sich die Geschäftslage Ihres Unternehmens in den kommenden sechs Monaten entwickeln?

Studie: Mittelstandsbarometer 2018 – Österreich, Dez. 2017, VALID RESEARCH - Marktforschung GmbH

87 %

der heimischen Dienstleister nutzen

digitale Technologien

2016: 2.630 / 2017: 3.656

Inwiefern spielen digitale Technologien im Dienstleistungsbereich eine Rolle?