Social Entrepreneur

„Entrepreneure haben einen unschätzbaren Wert für Wirtschaft und Gesellschaft. Sie treiben Fortschritt, schaffen Arbeitsplätze und sichern damit den Wohlstand unserer Gesellschaft. Viele Unternehmerinnen und Unternehmer suchen nach langfristigen Lösungen für soziale Probleme. Wir wollen diesen unschätzbaren Mehrwert sichtbar machen.“

Mag. Erich Lehner
Managing Partner Markets bei EY Austria

Die gesellschaftliche Bedeutung von Unternehmerinnen und Unternehmern ist unbestritten. Besonders deutlich zeigt sich das bei „Social Entrepreneurs“, für die der Mehrwert für die Allgemeinheit die Maxime ihres unternehmerischen Handelns ist. Sie sind Innovatoren mit einer sozialen Mission, die neue, innovative Lösungen und Ansätze für die wichtigsten sozialen und gesellschaftlichen Fragen finden. Mit der in diesem Jahr eingeführten Kategorie „Social Entrepreneur“ zeichnet EY Unternehmerinnen und Unternehmer aus, die mit ihrem unternehmerischen Handeln einen gesellschaftlichen und sozialen Mehrwert schaffen.

myAbility | Mag. Gregor Demblin

myAbility


Mag. Gregor Demblin

Unternehmerische und gesellschaftliche Leistung: Gregor Demblin gehört zu den bekanntesten Social Entrepreneurs im deutschen Sprachraum und hat die innovative Jobplattform Career Moves für Menschen mit Behinderung aufgebaut. Der seit einem Badeunfall im Alter von 18 Jahren querschnittsgelähmte Unternehmer setzt mit der 2014 gegründeten myAbility Social Enterprise GmbH weltweite Maßstäbe im Bereich Barrierefreiheit. Der Träger zahlreicher Auszeichnungen wurde 2013 in Washington zum Fellow bei Ashoka, einer amerikanischen Non-Profit-Organisation zur Förderung sozialen Unternehmertums, gekürt. Als Politikberater und gefragter Keynote-Speaker ist Gregor Demblin international eine bedeutende Persönlichkeit in der Menschenrechtsbewegung für Menschen mit Behinderung geworden.


Geschäftsentwicklung: myAbility ist eine professionelle Unternehmensberatung, die große Unternehmen in Bezug auf eine riesige Zielgruppe berät: 15 Prozent der Kunden und Mitarbeiter jedes Unternehmens haben eine Behinderung. Der Erfolg des Geschäftsmodells besteht nicht nur in der innovativen Jobplattform für Menschen mit Behinderung, sondern auch in der Vision der gesellschaftlichen Veränderung. Die Wirtschaft ist für Gregor Demblin der Motor dieser Veränderung. Daher ist auch die Beratung von Unternehmen zu Einstellung, Integration und Betreuung von Menschen mit Behinderung einer der Geschäftsbereiche von myAbility. Mittlerweile zählen große Unternehmen aus Österreich und der gesamten DACH-Region zu den Kunden, die von myAbility umfassend zum Thema Barrierefreiheit beraten werden.


Innovationskraft: myAbility liefert Großunternehmen eine Strategie, wie sie ihre Mitarbeiter und Kunden mit Behinderung optimal managen. Das führt zu messbaren wirtschaftlichen Vorteilen wie Produktivitätssteigerungen und neuen Kundengruppen. Großunternehmen haben so Vorteile, verändern aber gleichzeitig auch die Lebensbedingungen von Millionen Menschen im deutschen Sprachraum durch die Schaffung von Jobs und barrierefreien Angeboten. Dieser Ansatz ist weltweit neu und aufgrund seines Erfolgs wegweisend. 40 Prozent der Mitarbeiter haben selbst eine Behinderung. myAbility paart dadurch DisAbility-Expertise mit wirtschaftlichem Know-how. myAbility ist mittlerweile Know-how-Leader im Bereich des strategischen Managements von Behinderungen.


Zukunftsfähigkeit: Durch die Veränderung der Arbeitswelt durch die Digitalisierung und den Fachkräftemangel werden behinderte Menschen für den Arbeitsmarkt wichtiger denn je. Auf Basis des Erfolgs in Österreich expandiert myAbility derzeit mit Unterstützung eines Investorenkonsortiums nach Deutschland und in die Schweiz. Durch Kooperationen mit wissenschaftlichen Einrichtungen, z. B. ein Forschungskonsortium mit der Universität St. Gallen oder der Sigmund Freud PrivatUniversität Wien, vertieft das Unternehmen seine Expertise laufend. Darüber hinaus sieht die Unternehmensstrategie eine Vertiefung im Bereich moderne Technologien vor, z. B. bei Unterstützungssystemen oder selbstlernenden Algorithmen zur Vermittlung von Jobs für Menschen mit Behinderung.

TeachForAustria | Dr. Walter Emberger, MBA

TeachForAustria


Dr. Walter Emberger, MBA

Unternehmerische und gesellschaftliche Leistung: Walter Emberger kam 2004 als Unternehmensberater erstmals mit dem österreichischen Bildungssystem in Berührung und war später als Studiengangleiter und schließlich als Vizerektor einer Privatuniversität tätig. Damals erkannt er Defizite im Umgang mit Kindern aus bildungsfernen Gesellschaftsschichten. In keinem anderen EU-Land hängt der Bildungserfolg so stark vom sozioökonomischen Status und Bildungsniveau der Eltern ab wie in Österreich.1 Nachdem er in Großbritannien Teach First UK kennenlernte, startete er 2011 nach diesem Vorbild eine private Initiative und gründete Teach For Austria. Walter Emberger setzte sich gegen starke Widerstände und Bedenken durch und verwirklichte seine Vision: die Chancen für sozioökonomisch benachteiligte

Kinder durch engagierte Quereinsteiger zu erhöhen. Im Schuljahr 2017/2018 unterrichteten 130 Teach For Austria Fellows und Alumni mehr als 10.000 sozioökonomisch benachteiligte Kinder.


Geschäftsentwicklung: Bereits im März 2010 entschied sich Walter Emberger, das Modell nach Österreich zu bringen, und suchte nach Partnern für die Finanzierung, die er in der Industriellenvereinigung Wien und in der Industriellenvereinigung Salzburg fand. Die darauf folgende Gründung des Unternehmens, die Rekrutierung von 24 Fellows für den ersten Lehrgang der Sommerakademie und der Beginn der Lehrtätigkeit in Wien und Salzburg waren die ersten entscheidenden Schritte für Teach For Austria. Teach For Austria ist heute zu 25 Prozent aus der öffentlichen Hand und zu 75 Prozent privat finanziert. Die Fellows sind Quereinsteiger und zählen zu den besten 10 Prozent der Hochschulabsolventen bzw. Young Professionals ohne Lehramt. Nach erfolgreichem Abschluss der Sommerakademie treten sie mit voller Lehrverpflichtung zwei Jahre lang in Schulen mit vielen Kindern aus bildungsfernen Familien ein. Rund die Hälfte der Fellows bleibt nach dem Programm an der Schule, um weiter zu unterrichten.


Innovationskraft: Mit Teach For Austria hat Walter Emberger ein innovatives Modell mit gesellschaftlichem Mehrwert nach Österreich gebracht und an die Gegebenheiten des heimischen Bildungssystems angepasst. In den ersten Jahren stand der „Proof of Concept“ im Vordergrund, bis zum Jahr 2022 soll der „Tipping Point“ erreicht werden. Damit will Walter Emberger erreichen, dass die angestoßenen Veränderungen im Bildungssystem verankert und nicht mehr umkehrbar sind. Derzeit sind 22 Mitarbeiter für Teach For Austria tätig.


Zukunftsfähigkeit: Walter Emberger möchte sich künftig verstärkt der Weiterentwicklung von Teach For Austria widmen, eine gemeinnützige Stiftung gründen und die öffentlichen Mittel von derzeit 25 auf 50 Prozent aufstocken. Er möchte Kontakte zur Interessenvertretung und Politik auf allen Ebenen vertiefen und das Modell auf weitere Bundesländer ausweiten – als Nächstes soll in die Steiermark expandiert werden. Darüber hinaus soll die Zusammenarbeit mit Pädagogischen Hochschulen bzw. die Alumni-Betreuung ausgebaut und die Sommerakademie weiterentwickelt werden.

whatchado | Ali Mahlodji, BSc

whatchado


Ali Mahlodji, BSc

Unternehmerische und gesellschaftliche Leistung: Ali Mahlodji kam als Flüchtling nach Österreich und wuchs im Flüchtlingsheim Traiskirchen auf. Er begann als 13-Jähriger zu stottern, nachdem sich seine Eltern scheiden ließen, und brach die Schule ab, da er Angst vor der mündlichen Matura hatte. Nach über 40 Jobs und dem Nachholen der Abendmatura entschied er sich für ein berufsbegleitendes Studium. Der Tod seines Vaters und ein Burnout zwangen ihn dazu, sein Leben komplett zu überdenken. Er kündigte seinen Konzernjob und unterrichtete als Lehrer in einem Gymnasium. Durch die Arbeit mit Kindern erkannte er, dass Orientierungslosigkeit ein großes Problem für Jugendliche ist, und gründete daraufhin den gemeinnützigen Verein whatchado, aus dem Jahre später die whatchado GmbH entsprang. Parallel dazu coachte er unbegleitete Jugendliche bei der Jugend-Caritas im Bereich Jobfindung. Im Rahmen des whatchaSKOOL-Projekts besucht er wöchentlich Brennpunktschulen, um dort Lehrer zu unterstützen und Potenziale in Kindern zu heben. Die EU ernannte ihn 2013 zum EU-Jugendbotschafter. Er ist zudem Autor, Beirat in diversen Vereinen und erbringt 40 Prozent seiner Tätigkeiten pro bono.


Geschäftsentwicklung: Am Anfang stand der Verein whatchado, dem rasch eine GmbH-Gründung folgte. Durch die anfängliche mediale Präsenz wurden sowohl Unternehmen als auch Investoren auf Ali Mahlodji und sein Social Enterprise aufmerksam. Wenige Tage nach der Gründung war das Businessmodell – Employer Branding: Videos und Unternehmensprofil – fertiggestellt. Auf Österreich folgten Deutschland, die Schweiz und testweise auch andere Länder, wobei der Fokus auf der DACH-Region liegt. Heute hat sich whatchado als Karriereplattform einer neuen Generation etabliert, auf der Menschen anhand von Video-Interviews Orientierung im Berufsleben geben. Mittlerweile gibt es rund 6.500 Lebensgeschichten von Menschen aus 100 Nationen. Mit monatlich einer Million erreichten Menschen ist whatchado Marktführer im deutschsprachigen Raum.


Innovationskraft: Die Idee hinter whatchado ist in vielerlei Hinsicht innovativ und hat die Karrierewelt ein Stück weit verändert. Die Produktion authentischer Video-Erfahrungsberichte, in denen auch die negativen Seiten des Jobs aufgezeigt und der Fokus auf Menschen statt auf Arbeitgebern liegt, war ein Novum. Innovativ ist auch das whatchado Matching, das wie eine Dating-Plattform funktioniert und bei dem User mit Mitarbeitern hinter der Kamera und nicht mit dem Job gematcht werden. Das sorgte zu Beginn für Irritation, gewann später aber den Staatspreis für Bildung und Wissen.


Zukunftsfähigkeit: Allein durch die Veränderung der Lebens- und Erwerbsbiografien der heutigen Jugend im Vergleich zu ihren Eltern und Großeltern ist das Betätigungsfeld von whatchado gesichert. Mit einer 90-prozentigen Verlängerungsquote der Verträge mit bestehenden und mit jährlich 50 neuen Kunden ist die Basis für das wichtigste Ziel der Profitabilität und Nachhaltigkeit gelegt. Die Chance neuer Jobs durch die Digitalisierung und die Tatsache, dass ein Beruf nicht mehr bis zur Pension ausgeübt wird, macht Berufsorientierung wichtiger denn je.