Start-ups

"Start-ups nehmen für ihren Wunsch, die Welt mit ihren Produkten nachhaltig zu verändern, ein großes Risiko auf sich. Nicht alle erreichen ihr Ziel, weshalb erfolgreiche Gründer umso mehr eine Vorbildfunktion in der Gesellschaft haben sollten. Der Entrepreneur Of The Year bietet ihnen dafür die passende Bühne – und trägt somit dazu bei, Menschen in Österreich für das Unternehmertum zu begeistern."

Klaus Fiala, MSc

Chefredakteur Forbes

Wer innovative Gründerinnen und Gründer und spannende junge Unternehmen sucht, muss längst nicht mehr den Blick auf das Silicon Valley richten. Auch in Europa und Österreich hat sich in den letzten Jahren eine lebendige und starke Start-up-Szene gebildet, die immer mehr Investitionen anzieht. Doch der Hype darf nicht verdecken, dass nicht jede gute Idee schon ein überlebensfähiges Start-up ist. In der Kategorie Start-ups zeichnet EY junge Unternehmerinnen und Unternehmer aus, die ihr Start-up bereits auf dem Markt etabliert haben und gut für weiteres Wachstum aufgestellt sind.


Greenstorm | Richard Hirschhuber und Philipp Zimmermann

Greenstorm


Richard Hirschhuber und Philipp Zimmermann

Unternehmerische Leistung: Die Idee zu Greenstorm stammt ursprünglich von Philipp Zimmermanns Eltern. Ab dem Jahr 2009 verwirklichten sie diese mit der Trendhouse Marketing und Vertriebs KG. Als Philipp 2016 die Tochter von Richard Hirschhuber kennen- und lieben lernte, entstand durch Einbringung der KG das Unternehmen Greenstorm, das fortan als reines Familienunternehmen der beiden Familien besteht. Philipp nutzte als Triathlet die E-Bikes, die den Hoteliers zum Verleih zur Verfügung gestellt wurden. Greenstorm Mobility bietet Hoteliers als Gegenleistung für Übernachtungsgutscheine hoch­wertige E-Bikes zur kostenfreien Nutzung für die Gäste. Im Anschluss werden die E-Bikes über Europas größtes Händlernetzwerk für gebrauchte E-Bikes verkauft.


Geschäftsentwicklung: Greenstorm besitzt und verleiht mittlerweile 6.500 E-Bikes, 108 E-Cars – davon 68 Teslas – und 50 E-Tankstellen an Hotels in ganz Europa. Das Unternehmen verfügt über ein Händlernetzwerk aus 320 Partnern, die die gebrauchten Top-E-Bikes weiterverkaufen. Schon heute ist Greenstorm Nischenführer. Bis 2020 soll ein Prozent aller europäischen Hotels – also ca. 15.000 – mit 100.000 E-Bikes, 400 Teslas und weiteren E-Mobilen sowie 5.000 E-Tankstellen ausgestattet werden. Derzeit ist Greenstorm nur im deutschsprachigen Raum tätig, das Geschäftsmodell soll auf weitere Märkte erweitert werden. Schon im ersten Jahr erwirtschaftete Greenstorm einen Umsatz von 3,1 Millionen Euro. Im Jahr 2017 konnte der Umsatz mehr als vervierfacht werden.


Innovationskraft: Greenstorm hat bewiesen, dass mehrere Säulen der Geschäftstätigkeit zum nachhaltigen Erfolg führen. Die Synergie zwischen der Verleihung der E-Bikes an Hotels, die wiederum Gutscheine zur Verfügung stellen und damit für eine höhere Auslastung ihrer Häuser sorgen, und den Kunden, die schon beim Händler mit einem gebrauchten E-Bike fahren können, ist eine einzigartige Win-win-Situation für alle Beteiligten. Nachdem Greenstorm in einigen Ländern Europas bereits Fuß gefasst hat, steht momentan der Aufbau des Hotelpartner- und Händlernetzwerks für die gebrauchten Top-E-Bikes im Vordergrund. Das Unternehmen arbeitet daran, das Modell auch für den Fuhrpark von Unternehmen, Tourismusregionen, Gemeinden und Wohnanlagen umzusetzen.


Zukunftsfähigkeit: Greenstorm hat sehr ambitionierte Wachstumsziele für die nächsten Jahre: eine jährliche Verdoppelung des Umsatzes, eine Optimierung der Strukturen und das Ziel, die weltweite Nummer eins am Markt für gebrauchte Top-E-Bikes zu werden. Greenstorm möchte den gesellschaftlichen Trend der E-Mobility befeuern und eine tragende Rolle dabei spielen, dass das E-Bike künftig nicht mehr nur Freizeitgerät, sondern Fortbewegungsmittel wird.

Lithoz | DI Dr. Johannes Homa

Lithoz


DI Dr. Johannes Homa

Unternehmerische Leistung: Johannes Homa hat Lithoz 2011 basierend auf den Forschungsarbeiten der TU Wien als Spin-off gegründet. Lithoz ist spezialisiert auf die Entwicklung und Herstellung von Fertigungssystemen für den 3D-Druck von Hochleistungskeramiken. Dafür ging er in puncto Finanzierung ein großes Risiko ein, da er mit seinem persönlichen Sparguthaben und Garantien haften musste. Eine weitere große Herausforderung war die Etablierung des Unternehmens in der konservativen keramischen Industrie. Da die TU Wien keine lange Tradition in der Hochleistungskeramik hat, wurde auch der Auftritt von Lithoz anfangs belächelt. Mittlerweile ist Lithoz Weltmarktführer im Bereich der Entwicklung und Herstellung von Materialien und generativen Fertigungssystemen für den 3D-Druck von komplexen Hochleistungskeramiken für industrielle und medizinische Anwendungen.


Geschäftsentwicklung: Da die Gründer von Lithoz eine Fremdbestimmung befürchteten, verzichteten sie auf Investoren und stemmten die Finanzierung mithilfe der österreichischen Förderlandschaft und mit großem persönlichen Risiko. Lithoz ist es innerhalb weniger Jahren gelungen, von einem universitären Forschungsprojekt über ein Spin-off bis hin zum Weltmarkt- und Innovationsführer im Bereich der additiven Fertigung von Keramik aufzusteigen. Lithoz beschäftigt derzeit 56 Mitarbeiter in Wien und drei im 2017 gegründeten Tochterunternehmen Lithoz America. Schon jetzt werden beinahe 100 Prozent des Umsatzes im Ausland generiert, auch das künftige Wachstum soll im Ausland erfolgen. 2017 erwirtschaftete Lithoz rund 3,5 Millionen Euro Umsatz. Für dieses Jahr wird ein Wachstum von 50 Prozent erwartet.


Innovationskraft: Lithoz wurde auf einer Innovation aufgebaut, die erfolgreich in den Markt gebracht wurde. In den kommenden Jahren möchte Lithoz seine Markt- und Innovationsführerschaft stärken und weiter ausbauen. Damit soll die LCM-Technologie als konventionelle Fertigungstechnologie für die Produktion von Hochleistungskeramik etabliert und der Standort Wien durch weitere Forschungskooperationen als Kompetenzzentrum für die additive Fertigung positioniert werden. Um auch weiterhin Weltmarktführer im Bereich der additiven Fertigung von Hochleistungskeramik zu bleiben, investiert Lithoz schon heute 20 bis 30 Prozent seiner Ressourcen in Forschung und Entwicklung.


Zukunftsfähigkeit: Mit einer rund 30-prozentigen Forschungsquote ist Lithoz gut für zukünftige Entwicklungen gerüstet. Da das Unternehmen schon seit der Gründung immer mit knappen personellen Ressourcen kalkuliert, wird ein solides Wachstum angestrebt. Lithoz wies von Anfang an einen positiven Betriebserfolg vor, der ebenso wie der Umsatz kontinuierlich gestiegen ist. Lithoz hat sich durch seinen starken Fokus auf Innovation vom Wettbewerb abgesetzt und ein generatives Fertigungssystem für die Industrie entwickelt. Damit können erstmals sowohl bioresorbierbare Humanimplantate als auch Gusskerne für Flugzeugturbinen mit bisher nicht erreichten Materialeigenschaften und Qualität hergestellt werden.

surgebright | Lukas Pastl, MA

surgebright


Lukas Pastl, MA

Unternehmerische Leistung: Der Orthopäde Klaus Pastl hat 2007 das erste Patent für das aus menschlichem Knochengewebe gewonnene Knochenschraubentransplantat angemeldet. Gemeinsam mit seinen Söhnen Lukas und Thomas Pastl gründete er 2016 in Lichtenberg das MedTech-Start-up surgebright. Das Unternehmen entwickelt und produziert Transplantate aus humanen Spenderknochen, die körperfremde Materialien wie Metall oder Kunststoff ersetzen. Die Patienten ersparen sich durch die Schraube aus menschlichem Spenderknochen weitere Operationen zur Metallentfernung. Lukas Pastl hat das Unternehmertum schon immer gereizt, auch während seiner Tätigkeit in einer namhaften Bank war er gemeinsam mit seinem Bruder selbstständig im Eventmanagementbereich tätig.


Geschäftsentwicklung: surgebright wurde im Jänner 2016 als medizinisches Unternehmen gegründet und ist eine zertifizierte österreichische Gewebebank. Die wichtigsten Meilensteine reichen seit der Gründung von der Finanzierung über die Produktion bis zur Regulatorik, die gerade in diesem Sektor langwierig ist. Besonders wichtig waren für surgebright die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Institut für Zell- und Gewebeersatz und die Zulassung als österreichische Gewebebank. In Österreich wurde das Knochenimplantat bereits zugelassen, etwa 1.600 Schrauben wurden bereits bei Operationen verwendet. Derzeit hat das Unternehmen neben Lukas und Thomas Pastl sieben Mitarbeiter. Bis Ende 2018 werden weitere zwei Mitarbeiter eingestellt, um das Ziel von 500.000 Euro Umsatz zu erreichen. Mit einer Forschung-und-Entwicklungs-Quote von 120 Prozent hat surgebright hervorragende Wachstumschancen.


Innovationskraft: surgebright bietet eine völlig neuartige Technologie: Durch den Einsatz der eigens entwickelten „Shark Screw“-Transplantaten bei Hand- oder Fußoperationen bleibt dem Patienten eine weitere Operation zur Entfernung der derzeit verwendeten Metallschrauben erspart. Die Schrauben aus menschlichem Gewebe – gewonnen aus Spenderknochen – werden vom Körper des Patienten vollständig zu eigenem Knochen umgebaut und integriert. Durch die Partnerschaft mit dem Deutschen Institut für Zell- und Gewebeersatz und mit der TU Graz ist surgebright sowohl für die internationale Skalierung als auch für die Entwicklung von Innovationen gerüstet. Derzeit erwirtschaftet das Unternehmen 95 Prozent des Umsatzes im Inland. Das künftige Wachstum soll überwiegend im Ausland stattfinden.


Zukunftsfähigkeit: Nachdem surgebright im Pilotmarkt Österreich bereits etabliert ist, erfolgt nun die kontinuierliche Ausdehnung des Marktes auf die Schweiz, Deutschland und anschließend auf weitere europäische Länder sowie die USA, Japan, China und Indien. Die Markterweiterung mit lokalen Distributionspartnern soll eine schnelle Skalierung unterstützen. surgebright will mittelfristig eine starke Online-Präsenz mit entsprechenden Vertriebskanälen aufbauen, wobei Videos von Operationen mit „Shark Screw“-Transplantaten zur Nachahmung für Ärzte von besonderer Bedeutung sind.