Interview mit Mag. Erich Lehner und Prof. Dr. Dieter Waldmann

„Auf der Bühne des Entrepreneur Of The Year wird die Crème de la Crème des österreichischen Unternehmertums ausgezeichnet.“

Warum braucht unsere Gesellschaft Unternehmerinnen und Unternehmer?

Erich Lehner: Gerade in Zeiten weitreichender Umbrüche, wie wir sie momentan nicht zuletzt infolge des digitalen Wandels in so gut wie allen Branchen erleben, hängen der Erfolg unseres Wirtschaftssystems und die zukünftige Wirtschaftsentwicklung in Österreich maßgeblich von der Innovationskraft von Unternehmerinnen und Unternehmern ab. Entrepreneure sind nicht nur das viel zitierte Rückgrat unserer Wirtschaft, sondern auch die wesentliche Triebfeder für gesellschaftlichen Fortschritt. Sie sind es, die Arbeitsplätze schaffen und Fortschritt durch mutige Entscheidungen vorantreiben. Unsere Gesellschaft braucht diese Persönlichkeiten.


Dieter Waldmann: Es gibt keinen Bereich der Wirtschaft und der Gesellschaft, in dem Unternehmerinnen und Unternehmer keine essenzielle Rolle spielen. Mir ist noch wichtig, ihre gesellschaftliche Vorbildwirkung herauszustreichen. Entrepreneure zeichnen sich häufig durch Eigenschaften aus, die man sich als Beispiel nehmen sollte: Charakter, Mut, Führungsstärke, Begeisterungsfähigkeit, Selbstvertrauen und Überzeugungskraft.

Hat sich das Image von Entrepreneuren in den letzten Jahren verbessert?

D. W.: Das lässt sich mit einem klaren „Jein“ beantworten. Die erhöhte Aufmerksamkeit für Start-ups und Gründer hat sicher dazu geführt, dass Unternehmertum speziell bei jüngeren Generationen an Attraktivität gewonnen hat. Gerade die „Millennials“ legen großen Wert darauf, mit ihrer Arbeit Sinn zu stiften und Mehrwert zu schaffen. Dazu kommt, dass das Unternehmertum auch ein Versprechen von Freiheit und Entfaltungsmöglichkeiten bietet. Auf der anderen Seite ist die Wertschätzung für Entrepreneure immer noch nicht so groß, wie es aufgrund ihrer gesellschaftlichen Bedeutung angemessen wäre.

E. L: Wir müssen in der gesellschaftlichen Entwicklung noch den Schritt gehen, dass „Unternehmer-Bashing“ – und diese Schlagreflexe gibt es immer wieder – weniger und die gesellschaftliche Akzeptanz noch mehr wird. Auch an den Universitäten sollte Entrepreneurship noch stärker in den Vordergrund gestellt werden – und zwar nicht nur an einem Lehrstuhl, sondern übergreifend.

Warum vergibt EY den Entrepreneur Of The Year Award?

D. W.: Der „Entrepreneur Of The Year“-Wettbewerb wurde vor über 30 Jahren in den USA und vor 13 Jahren in Österreich gestartet, damit nicht nur die ganz großen Unternehmen, sondern die Unternehmerinnen und Unternehmer selbst geehrt werden.


E. L.: Preise für Unternehmen gibt es viele, aber es ist der Unternehmer oder die Unternehmerin selbst, der oder die eine wichtige Rolle in Wirtschaft und Gesellschaft spielt. Wir möchten herausragende Unternehmerpersönlichkeiten und damit jene Menschen, von denen die Wirtschaft eines Landes lebt, vor den Vorhang holen. Ein Blick auf unsere Hall of Fame zeigt: Auf der Bühne des EOY wird die Crème de la Crème des österreichischen Unternehmertums ausgezeichnet.

Sie haben die Wichtigkeit der Vorbildwirkung angesprochen: Soll der Award dazu beitragen, Unternehmerinnen und Unternehmer als Vorbilder zu positionieren?

E. L.: Definitiv. Alle Teilnehmer am Wettbewerb sind für uns Leuchttürme. Ob Start-up oder über Generationen entwickeltes Familienunternehmen: Sie alle eint eine beeindruckende Einstellung, Philosophie und Geschichte, die einfach erzählt werden muss. Wir wollen, dass die Geschichten dieser herausragenden Unternehmerpersönlichkeiten andere inspirieren und motivieren.


D. W.: Neben dieser Außenwirkung hat der Award auch eine ganz starke Wirkung nach innen. Gerade in eigentümergeführten Unternehmen gibt es eine starke Mitarbeiterloyalität. Wenn die Entrepreneure auf die Bühne gerufen werden und der Film über das Unternehmen abgespielt wird, schweißt das alle noch stärker zusammen. Die Mitarbeiter bekommen einen Motivationsschub.


Wie spannen Sie bei EY den Bogen zum Entrepreneurship?

E. L.: Wir haben einen klaren Purpose: Building a better working world. Das heißt, wir wollen dazu beitragen, dass die Wirtschaftswelt in Österreich auch in disruptiven und volatilen Zeiten erfolgreich bleibt und diese Erfolge ausbauen kann. Wir möchten Mitgestalter des gesellschaftlichen Wandels sein und Unternehmen als Partner dabei unterstützen, die Herausforderungen der Transformation zu bewältigen und Chancen zu nutzen. Mit diesem positiven, nachhaltigen Bekenntnis zu Wandel, Fortschritt und Mut zum Risiko spannen wir den Bogen zu Unternehmerinnen und Unternehmern.

Welche Vorteile haben Unternehmer durch den Entrepreneur Of The Year?

D. W.: Bekanntheit, Reflexion und Netzwerk – das sind aus meiner Sicht die größten Vorteile. Finalisten und Sieger stehen in der Wiener Hofburg sprichwörtlich und in der öffentlichen Wahrnehmung bildlich auf der großen Bühne und können ihre Bekanntheit erheblich steigern. Mit Reflexion meine ich, dass Unternehmer durch den ausführlichen, weltweit einheitlichen Fragebogen für die Bewerbung quasi dazu „gezwungen“ werden, fundamental und strategisch über ihr Unternehmen nachzudenken. Eine Unternehmerin hat das mir gegenüber einmal sehr passend als „Vaterunser des Unternehmertums“ bezeichnet. Für viele ist das zuerst eine Überwindung, weil es natürlich auch Zeit in Anspruch nimmt, aber es lohnt sich. Wir haben schon ganz oft die Rückmeldung bekommen: „Ich habe endlich wieder einmal strukturiert über Strategie und Vision meines Unternehmens nachgedacht.“

E. L.: Alle Finalisten des EOY werden automatisch in das internationale Unternehmernetzwerk von EY aufgenommen. Dieses Netzwerk ist etwas Einzigartiges, weil sich dort alle Mitglieder über alle Landes- und Branchengrenzen hinweg auf Augenhöhe begegnen und ihre Gedanken austauschen können, ohne ein Blatt vor den Mund nehmen zu müssen. Dieses globale Netzwerk erfolgreicher Unternehmerpersönlichkeiten hat eine unglaubliche Kraft und einen unschätzbaren Wert: Ich weiß von vielen Beispielen, in denen Entrepreneure in ein anderes Land expandiert haben und sich dafür die Unterstützung eines dort ansässigen Mitglieds des EOY-Netzwerks geholt haben. Auch unsere NextGen Academy, ein Programm zur Vernetzung und Weiterbildung von Unternehmensnachfolgern, die heuer ihr zehnjähriges Bestehen feiert, wird von den Entrepreneuren extrem gut angenommen.


„Ich habe endlich wieder einmal strukturiert über Strategie und Vision meines Unternehmens nachgedacht.“

Feedback mehrerer Teilnehmer des EOY-Awards

Hat der Award eine Wirkung über die Grenzen hinaus?

D. W.: Der Preis hat eine globale Bedeutung. Als zum Beispiel Josef Zotter vor zwei Jahren als Österreichs Vertreter beim World Entrepreneur Of The Year in Monte Carlo war, haben wir unglaublich viele internationale Presseanfragen von der Slowakei über Argentinien bis Kanada bekommen. Der EOY bringt auch starke Medienpräsenz mit sich.


E. L.: Die Auszeichnung hilft den Unternehmern auch beim Eintritt in neue Märkte. Wir geben ihnen mit dem EOY Award eine Auszeichnung mit, die es ihnen in Gesprächen und Verhandlungen ein Stück leichter macht. Unser Award ist wie ein Gütesiegel und die Unternehmer schätzen, dass die Marke EY weltweit als Prüfungs- und Beratungsunternehmen bekannt ist.

Herr Prof. Waldmann, Sie sind seit dem Beginn vor 13 Jahren verantwortlich für den EOY in Österreich und geben diese Funktion jetzt an Erich Lehner weiter. Wie würden Sie diese Zeit rekapitulieren?

D. W.: Es war eine unglaublich tolle, spannende und gleichzeitig sehr intensive Zeit. Viele der Unternehmerreisen sind am Wochenende, viele Veranstaltungen am Abend. Das funktioniert nur, wenn man einen Partner hat, der einen so großartig unterstützt wie meine Frau Brigitte mich. Ich bin glücklich und dankbar, dass ich den EOY stellvertretend für alle Kolleginnen und Kollegen bei EY über eine so lange Zeit verantwortet und so einen Teil zu dieser unglaublichen Erfolgsgeschichte beigetragen habe. Wir haben vor der Einführung des EOY in Österreich damals lange und intensiv diskutiert, ob wir es trotz eines vergleichsweise kleinen Marktes im internationalen Vergleich schaffen, jedes Jahr genug herausragende Unternehmerpersönlichkeiten für alle Kategorien zu finden. Ich war von Anfang an überzeugt: Das schaffen wir. Und jedes Jahr wurden unsere hohen Erwartungen aufs Neue übertroffen. Allein das ist ein beeindruckender Beweis, wie hochklassig das Unternehmertum in Österreich ist.


E. L.: Dieter Waldmann wird bei EY und auch darüber hinaus „Mr. EOY“ genannt. Das kommt nicht von ungefähr. Er war über ein Jahrzehnt lang das „Gesicht“ unseres Engagements für Unternehmerinnen und Unternehmer in Österreich und ist hauptverantwortlich dafür, dass EY heute so stark mit Entrepreneurship assoziiert wird. Diese Leistung kann man nicht hoch genug einschätzen.


D. W.: Wenn man so viele Jahre für ein so wichtiges Programm verantwortlich ist, entwickelt man natürlich eine emotionale Bindung. Es ist wie bei einem Kind, das langsam erwachsen wird. Irgendwann muss man loslassen. Aber ich tue das mit einem sehr guten Gefühl, weil ich überzeugt bin, dass ich den Entrepreneur Of The Year in die besten Hände übergebe.

Gibt es Begegnungen oder Erlebnisse, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind?

D. W.: Jede Begegnung und jedes Erlebnis für sich war sehr eindrücklich, aber ein paar sind mir schon ganz besonders im Gedächtnis geblieben. Sehr berührend war, wie der große amerikanische Unternehmer Wayne Hassinger als World Entrepreneur Of The Year ausgezeichnet wurde. Damals war er der Top-Unternehmer, hat sechs Unternehmen an die Börse gebracht, von denen drei in den Top 500 der Welt rangieren, und kam mit seinem Privatflieger nach Monte Carlo. Als er als Sieger verkündet wurde, hat er eine Minute lang nur geweint und ließ sich nicht beruhigen. Als er wieder bei Atem war, hat er erklärt: „Ich kann mir alles kaufen. Aber das nicht.“ Das war ein Gänsehautmoment. Ein herausragender Moment war auch die Ehrung des großen, leider mittlerweile verstorbenen Karl Manner vor vier Jahren.

Aufgrund seines Gesundheitszustandes hieß es eigentlich, dass er maximal zehn Minuten an der Gala teilnehmen kann – und er war den ganzen Abend da und war unglaublich eloquent und lustig. Im Interview auf der Bühne hat er zum Beispiel gesagt, dass er zum Haindl – damals in derselben Kategorie nominiert wie er – geht, wenn er Lust auf Schokolade hat. Da haben alle diese unglaubliche unternehmerische Begeisterung gespürt: Herr Manner betreibt auch mit 85 noch selbst „Mystery Shopping“. Dass ein so erfolgreicher und großer Unternehmer so ehrlich und bodenständig ist, war für alle Gäste bei der Gala wirklich schön zu sehen. Gleichzeitig war es auch persönlich berührend. Und natürlich gibt es auch zahlreiche lustige, humorvolle Momente, die in Erinnerung bleiben, zum Beispiel, dass eine CNBC-Moderatorin Johannes Gutmann von Sonnentor beim World Entrepreneur Of The Year in Monte Carlo anhand seiner 90-Jahre alten Lederhose identifiziert, gefunden und schließlich interviewt hat. In diesen Momenten merkt man das internationale Flair des EOY schon sehr deutlich.


Was wünschen Sie dem EOY für die Zukunft?

D. W.: Ich wünsche mir, dass die Erfolgsgeschichte des EOY weitergeschrieben wird und neue, spannende Kapitel dazukommen. Ich bin davon fest überzeugt, weil Erich Lehner die optimale Besetzung als Verantwortlicher des EOY ist: Als Managing Partner Markets und langjähriger Verantwortlicher der Agenda Mittelstand ist er ganz nah bei den Unternehmerinnen und Unternehmern und weiß, welche Themen und Herausforderungen sie beschäftigen. Das ist die beste Voraussetzung für diese Aufgabe.


Herr Lehner, was sind Ihre Pläne für den EOY?

E. L.: Ich freue mich unglaublich auf diese ehrenvolle Aufgabe und habe gleichzeitig sehr großen Respekt. Was Dieter Waldmann in den letzten 13 Jahren aufgebaut hat, ist einzigartig und eine tolle Erfolgsgeschichte für EY und das Unternehmertum in Österreich. Ich möchte das Programm erfolgreich fortführen und wie schon bisher punktuell weiterentwickeln, so wie zum Beispiel heuer mit der Einführung der Kategorie „Social Entrepreneur“. Durch neue Reize wie diesen wollen wir sicherstellen, dass das hervorragende und seit Jahren toll funktionierende Programm spannend und relevant für Österreichs Unternehmerinnen und Unternehmer bleibt. Mein Ziel ist, es, dass die heimischen Entrepreneure auch in vielen Jahren noch sagen: „Das ist der Oscar für Unternehmerinnen und Unternehmer.“